Der Hawaiianische Hula
Die musikalische Entwicklung auf Hawaii

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Keine Musik der Welt hat den Erdball auf sanftere und vollständigere Weise gefangengenommen als die hawaiianische, keine war ähnlich verbreitet. Schon beim Wort "Hawaii-Musik" bekommen sie alle den verträumten Blick: der Bankier in Bangkok, der Leutnant in Amsterdam, die Hausfrau in New York, der Steuerbeamte in Deutschland; Erinnerungen an schwingende Palmen und Hüften werden wach...der hula... erotisierender Gitarrenklang... Tremelo einer Fistelstimme... klimpernde ukulele... Titel und Verse der altbekannten Lieder ziehen an uns vorüber: "I wanna go back to my little grass shack..." "Dreams come true, in blue Hawaii..." "To you, sweetheart, Aloha...".       

Hawaii hat man als Schmelztiegel bezeichnet, der rasch alles aufnimmt und aufsaugt, was an seine goldenen Strände gespült wird. Geschichte und Kultur Hawaii's enthalten zahllose Belege dafür, dass die Inselbewohner rasch und einfühlsam die verschiedensten Einflüsse der Musik anderer Kulturen und Länder assimiliert haben. Wer die hawaiianische Musik der Gegenwart hört, begibt sich damit auf die Spur der hawaiianischen Geschichte.

Im alten Hawaii gab es lediglich einfache, lange, monotone Gesänge ohne oder mit Begleitung von Trommeln aus Kokospalmen, Kürbissen, Bambusrasseln und Pfeifen, Stöcken sowie Kastagnetten aus Kieselsteinen.
Komplex waren die rituellen Aspekte der Musik; sie spielte im Alltag eine wichtige Rolle sowie bei allen Glaubens- und Gottesdiensthandlungen. Über den Gesang wurde die Verbindung zwischen Mensch und Gott hergestellt. Der Eintritt in eine hula-Schule war damals wie der Eintritt in ein Kloster.

Hula ist der hawaiianische Volkstanz. Nach der Legende waren Laka und Hi'iaka (die Schwestern der Vulkangöttin Pele) die Tanzgöttinnen. Anfänglich tanzten Männer und Frauen gemeinsam, nur die Männer konnten jedoch während der Gottesdienste den hula ausführen. Damals glaubte man, wenn man eine Handlung mimte, könne man sie für immer kontrollieren. Es gab daher viele Tänze, die Wünsche ausdrückten, z.B. eine erfolgreiche Jagd und Fruchtbarkeit. Heute werden Laka und Hi'iaka zwar nicht mehr religiös verehrt, ihr Ansehen ist jedoch nach wie vor sehr hoch.

Später durchdrang der Hula-Tanz alle Bereiche der hawaiianischen Gesellschaft; er war ein Unterrichtsmittel, diente der Unterhaltung und war Grundlage für lua, eine Methode der Selbstverteidigung im alten Hawaii. Die Verwicklung in Kriege und Verwaltungsgeschäfte verhinderten in Folge das erforderliche jahrelange Training der Hula-Tänzer, so dass auch Frauen sich beteiligen konnten. 

King Kamehameha II. (1797 - 1824)

King Kamehameha II. (1797 - 1824)

Dann passierte etwas Merkwürdiges: 1819 erklärte König Kamehameha II.das kapu (Tabu) System und mit ihm die alte Religion für ungültig. Es entstand ein geistiges und religiöses Vakuum, in das die Missionare geschickt nachstießen. Sie hatten auf Hawaii leichtes Spiel.
Die frommen und fleißigen Neusiedler bauten ihre Kirchen neben die Hütten der Hawaiianer, beteten und sangen ihre Lieder.
Die Hawaiianer hatten noch nie mehrstimmige Melodien gehört und standen zu Hunderten vor den kleinen Lavastein- und Schindelkirchen, um sich die exotischen Ton-Kombinationen anzuhören. Die Missionare steckten viele Eingeborene in Kirchenchöre, weil sie ihre Seelen am ehesten über die Musik zu erreichen glaubten.

Die christliche Durchdringung Hawaii's machte nur langsam Fortschritte. Die Kirchenchoräle mit ihren tiefen Tonlagen waren etwas Ungewohntes für die Hawaiianer. Die Missionare sangen vor, und die Hawaiianer stimmten zögernd ein in die himeni, wie sie die Lieder nannten. Nach langwierigen und schwierigen Proben konnten die ersten Chöre aufgestellt werden. Der Einfluss der himeni auf die heutige Musik ist beträchtlich. Es gibt ein entwickeltes Chorleben und sehr bekannte hawaiianische Lieder mit religiösen Themen und Botschaften.

Kamehameha IIINeben der Kirchenmusik übte eine zweite ausländische Musikquelle einen sehr bestimmenden Einfluss auf die hawaiianische Musik aus. Kamehameha III. wollte unbedingt eine eigene königliche Band haben, denn sein Land sollte sich ganz dem Einfluss der europäischen Kultur öffnen. Was tun, um eine solche europäische Blaskapelle zu bekommen? Er gründete bereits 1848 die Royal Hawaiian Band. Doch die ersten Kapellmeister hielten nicht das, was er auf Reisen nach Europa und den USA kennen gelernt hatte. King Kamehameha V (1830-1872)
Kamehameha V.
schließlich ließ den gestrengen, schnurrbärtigen Heinrich Berger, Der Vater der hawaiianischen MusikHeinrich Berger aus Deutschland ins Land holen (1868) und gab ihm den Auftrag, eine Band aufzustellen. Berger leitete die Royal Hawaiian Band (die es übrigens heute noch gibt) von 1872 bis 1915; er gilt als Vater der "neuen" hawaiianischen Musik und dirigierte nicht weniger als 32.000 Konzerte, arrangierte mehr als 1.000 hawaiianische Lieder, darunter das weltberühmte Aloha Oe, komponierte selbst hawaiianische Musik, wobei er die alte Reihenfolge des mele umkehrte und die Musik vor dem Text schrieb. Die Hawaiianer taten es ihm bald nach und komponierten nun Melodien und Texte gleichzeitig. Berger war der Lehrmeister von zwei Generationen hawaiianischer Musiker, aus denen einige spätere Stars hervorgingen.

Die Ukulele - der "springende Floh"
D
ie ersten Walfänger brachten die Gitarre in's Land - so sagt man. Genau weiß man es heute nicht mehr; es können auch Händler aus Mexiko oder Kalifornien gewesen sein. Irgendwann lockerte irgendjemand die Saiten und man stellte fest, dass man nun nach Belieben die Töne ändern konnte. Es entstand ein neuer, nie da gewesener Gitarrenstil; das ki ho 'alu, das slack key-Spiel war erfunden. Es wurde so hawaiianisch wie der Flamenco spanisch war.
Aus Madeira (Portugal) brachten 1878 eingewanderte Plantagenarbeiter ein kleines Instrument mit nur vier Saiten, die braquino bzw. cavaquinho mit.
Aus diesem Instrument wurde auf Hawaii die ukulele, was auf hawaiianisch soviel wie "hüpfender Floh" bedeutet. Man sagt, dass einer der ersten portugiesischen Ukulele-Spieler, der virtuos das Instrument beherrschte, bei seinen Darbietungen mit vollem Körpereinsatz spielte und dabei herumsprang wie ein Floh. Und so soll der Name dann auf das Instrument übertragen worden sein. Aber es kann auch nur eine Legende gewesen sein.

Auch darüber, wer wohl die Stahlgitarre erfunden hat, ist man sich unter Wissenschaftlern nicht einig. War es der hawaiianische Student, der sie entdeckte, als ihm das Taschenmesser auf die Saite fiel und der dann seine Gitarre so hielt, dass er mit der einen Hand das Stahlmesser über die Saiten gleiten ließ? Wie dem auch sei. Die hawaiian steel guitar wurde zuletzt immer mehr mit Country- und Western-Musik in Verbindung gebracht. Dabei ist etwas untergegangen, nämlich dass sie der markanteste Bestandteil der hawaiianischen Instrumentalmusik ist. 
Die Nachfahren der ali'i (Könige), die bis zur Annexion Hawaii's durch die USA 1898 das Land regierten, brachten die größten Liederkomponisten der Insel hervor. 
Der bekannteste ist
David Kalakaua (King of Hawaii, 1874 to 1891), ein pummeliger, jovialer Mann, dessen "Champagner-Dynastie" auch für eine musikalische Renaissance auf Hawaii sorgte. Der vielseitige Kalakaua war ein fähiger Politiker, reiste oft und gern und betätigte sich als großzügiger Förderer der schönen Künste. Er liebte die ukulele und setzte sich für deren Verbreitung ein, ja, er bildete eigene Instrumentalgruppen, die im Verwandten- und Freundeskreis richtige Musikwettbewerbe abhielten. Auch als Musikbuchautor trat er in Erscheinung. Er gab eine Neufassung der hawaiianischen Nationalhymne "Hawaii Pono'i", die bei Sportveranstaltungen und öffentlichen Versammlungen gespielt und gesungen wird. Auch dem hula-Tanz, den die Missionare unterdrückt hatten und der fast ausgestorben war, verhalf er wieder zu Ehren. Am Geburtstag des schnurrbärtigen Königs, dem 16. November, wird Musik daher groß geschrieben. Ihm zu Ehren wird zudem seit 1964 jeweils im April das berühmte "Merrie Monarch Hula Festival" in Hilo auf Big Island durchgeführt, an dem die besten Hula-Tänzer und Tänzerinnen sowie Hula-Schulen von allen hawaiianischen Inseln teilnehmen. Der "fröhliche" König prägte auch den Ausspruch, der wie nichts die Seele der Hawaiianer berührt: "Hula is the language of the heart, and therefore the heartbeat of the Hawaiian people."

Queen Liliu'okalani (1838-1917)Seine jüngere Schwester Queen Liliu'okalani verkörperte wohl noch besser die Synthese von alter und neuer hawaiianischer Musik. Von allen Hawaiianern ihrer Zeit war sie die größte Begabung; von ihr stammt das Lied, das in mindestens der Hälfte aller Hawaii-Filme vorkommt und das sogar Elvis gesungen hat: "Aloha 'Oe".

Der Charakter der hawaiianischen Musik veränderte sich noch einmal, nachdem Hawaii sich den USA angeschlossen hatte. Alle Welt schaute damals auf Hawaii und 1915 erregte ein Gruppe von hawaiianischen Musikern, Sängern und Tänzern auf der internationalen Panama-Pazific-Ausstellung in San Francisco große Aufmerksamkeit. Ihr Musikstil fand bald in ganz Amerika und in Europa begeisterte Nachahmung. Die faszinierende, exotische hawaiianische Musik fand immer mehr Anhänger und es wurden bald die ersten hawaiianischen Themen mit englischen Texten gesungen. Bald, um das Jahr 1930, war das hapa haole (halb-weiß) Lied zum festen Bestandteil der hawaiianischen Musik geworden und über das meistgehörte Rundfunkprogramm der Welt, "Hawaii Calls", zu einem wichtigen Exportschlager geworden. Es dauerte nicht lange, da rührte sich auch Hollywood: Bing Crosby sang 1937 in dem Film "Waikiki Wedding" zwei hapa-haole-Klassiker ("Sweet Leilani" und "Blue Hawaii") und gewann sogar den "Oscar" für das beste Filmlied.

Nun schlug auch wieder die Stunde des Hula-Tanzes, der bald auch in Hollywood in vielen Filmen Einzug hielt und sogar die heimliche Hauptrolle inne hatte: So z.B. in Elvis Presley's weltberühmten Musik-Film "Blue Hawaii".
In dem bis heute sehr bekannten und beliebten hapa-haole-Lied
"Lovely Hula Hands" wird der Tanz als graziös beschrieben und die "Hand Motions" werden mit fliegenden Vögeln verglichen. Der "Hukilau Song" handelt vom Fischen und man streckt die Hände aus, um das Netz einzuholen. Heutige Klassiker wie das romantische "To you sweetheart, Aloha!" von Alfred Aholo Apaka folgten

(Anmerkung: obige, beschrieben Musik-Titel und weitere, insgesamt 17 der schönsten hawaiianischen Lieder im Original hat Gabriele Kalehua Streuer zu einem einzigartigen Hawaii-Sampler zusammengestellt: "Kalehua's Special aus Hawaii" ist hier im Kalehua's Hawaii-Shop online bestellbar). 

Zwischen 1930 und 1960 war das "goldene" Zeitalter der Hawaii-Musik; Fernsehen, Radio, Filme waren voll davon, die Hula-Tanz-Gruppen erlebten in der ganzen Welt Triumphe. Dann kamen die Beatles und veränderten wie so vieles auch die hawaiianische Musikszene; 10 Jahre lang interessierte sich die Jugend auf Hawaii nicht mehr für die traditionelle Musik. Die siebziger Jahre brachten wieder eine hawaiianische Renaissance. Die Hawaiianer besannen sich wie andere Völker in Staaten der Dritten Welt auf die Tradition ihres Volkes und sorgten dafür, dass in allen Bereichen der Kunst eine langanhaltende und energische Anstrengung zum Wiederaufleben der kulturellen Traditionen unternommen wurde.

Die Musik wurde "zeitgenössischer", neue Melodien und Rhythmen, verbunden mit politischen Texten, gefielen nun auch der hawaiianischen Jugend, die sich von ihrem Erbe abgewandt hatte. Auch die Musik des alten Hawaii wurde nun wieder leidenschaftlich gepflegt. Junge Komponisten riefen sogar dazu auf, Lieder und Gesänge über die Könige und alten Götter zu schreiben. Hawaii bekannte sich zu seiner Herkunft. 

Die Jugend tanzte auch wieder nach der Art der Alten; seit Beginn des 19. Jahrhunderts, als die Missionare den Hula-Tanz als obszön auszutreiben versuchten, gab es auf Hawaii keine so kraftvollen, erotischen Tanzbewegungen mehr. Schliesslich war ja um 1850 der Hula-Tanz fast ausgestorben gewesen und erst von King David Kalakau ins Bewußtsein zurückgerufen worden.

Der ernsthafte Charakter des hula wird heute anerkannt, das alte Ritual religiös geachtet. Die hula halau-Schulen wetteifern in vielen nationalen und örtlichen Wettbewerben und Veranstaltungen um den ausdrucksstärksten und authentischsten hula, Hula-Tanzleher stehen hoch im Kurs und die Renaissance des hula hat allgemein ein neues hawaiianisches Selbstbewusstsein hervorgerufen.

Hula steht nach wie vor für unbekümmerte Sinnlichkeit und ist fest mit dem Begriff Hawaii verankert. Als kulturelles Wahrzeichen trägt er viel dazu bei, Besucher nach Hawaii zu bringen. Es gibt keine andere Kunstform neben dem Hula, die so weltumfassend bekannt und beliebt ist und dennoch ihren ureigenen hawaiianischen Charakter bewahrt hat. Trotz aller Veränderungen und aller europäischen Einflüsse ist Musik und Tanz ein entscheidender Bestandteil des Lebens auf Hawaii geblieben.

Auf Hawaii gilt Musik nicht nur als Mittel der Kommunikation mit Gott, sondern als Gabe Gottes, die man großzügig weitergeben soll - wo immer man gerade ist: wenn man durch die Strassen schlendert, auf den Bus wartet... wer auf Hawaii ist, begegnet überall Musik und Tanz. In den Parks bilden sich spontan Gitarrengruppen, am Sonntagmorgen tanzen Kinder am Moana Shopping Center, Erwachsene bestritten seit Jahrzehntelang die Kodak Hula Show inWaikiki. Nach der Schließung der von Kodak gesponserten Show findet nun eine neue polynesische Show auf dem gleichen Gelände statt.. Die  Royal Hawaiian Band tritt immer noch mehrmals wöchentlich öffentlich und kostenlos auf; ganz sicher freitags am Iolani Palace Coronation Bandstand (Honolulu / Oahu). Alleine in Waikiki wird in mehr als 25 Clubs wenigstens einmal pro Woche, meist aber täglich, traditionelle hawaiianische Musik gespielt und dazu Hula getanzt. Gäste aus aller Welt, die den Hula-Tanz beherrschen, sind immer hochwillkommen, einen Hula zu tanzen. 

Gabriele Kalehua Streuer hat immer wieder erfahren dürfen, welche Wärme, Liebe, Zuneigung und Begeisterung ihr entgegenschlug, wenn sie als Hula-Dancer aus dem entfernten Germany zu einem traditionellen Hawaii-Lied (z.B. Waikiki, E Huli Makao, Puamana oder auch den Hawaiian Wedding Song) spontan vor Live-Bands und Publikum improvisierend den Hula tanzte.

Fast alle Hotels bieten Schnupperkurse im Hula-Tanz an und der Sender KCCN (auf der AM-Skala bei 1420) spielt Original Hawaii-Musik rund um die Uhr. Die Klänge der Slack Key Guitar oder der ukulele gehören einfach zu einem Essen mit Freunden dazu, genau wie laulau (in Taro-Blättern gedämpftes Schweinefleisch oder Fisch) und poi (rötlich violetter Brei aus Taro-Wurzeln). Und nach dem Essen gibt es Hula-Tanz bis weit nach Mitternacht...

Du hast bei mir die Möglichkeit, diesen traditionellen Hula zu erlernen. Ich biete Workshops, Tanz-Kurse und Einzelunterricht überall in Deutschland, Österreich und der Schweiz an.
Schaue doch einfach einmal auf die Termin-Seite, ob ein Kurs in Deiner Nähe stattfindest, ansonsten empfehle ich Dir ein individuelles Einzeltraining oder mein Hula-Lern-Video für Einsteiger.

Mahalo nui! 
Deine Gabriele Kalehua Streuer


 

 

Hula Auana (Modern Hula)

Bildnachweise (Pictures copyright by): Keo Lanakila, Bishop Museum /Hawaii, alte Postkarten aus Hawaii: Jane Resture/Hawaii, Merrie Monarch Festival Videos und andere Quellen, deren Rechteinhaber nicht ermittelt werden konnten. Mögliche Rechteinhaber kontaktieren uns

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