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Hawaii
in Dreiviertel-Takt. Heinrich
Berger wurde 1844 in Potsdam geboren. Er studierte Musik in
Treuenbrietzen und Breslau.
Mit 17 Jahren ging er als Musiker zum preussischen Militär, im
Jahre 1871 hatte er den Ausbildungsstand eines Kapellmeisters
erreicht. Den preussischen Hof, der sich gerade anschickte, ein
Deutscher Kaiserhof zu werden, erreichte zu dieser Zeit ein ungewöhnliches
Ansinnen.
König
Kamehameha von Hawaii war mit den Leistungen seiner Kapelle äusserst
unzufrieden. Er bat deshalb das Deutsche Kaiserhaus um eine
“musikalische Entwicklungshilfe“. 1871 segelte der
Unteroffizier Heinrich Berger über den Atlantik, um in Honolulu
am 11. Juni 1871 als Henry Berger an Land zu gehen.
Sein
Name ist mit der “Royal Hawaiian Band“, die 1836 auf Anweisung
von König Kamehameha III gegründet wurde, verbunden. Berger hat
43 Jahre lang das Orchester geleitet. Die letzte Königin des
Inselreiches, Queen Liliuokalani, nannte ihn den “Vater der
Hawaiianischen Musik“. Er war ein beliebtes Gegenstück zu den
Gesängen der puritanischen Missionspartei, die für eine Republik
Hawaii und einen Anschluss der Inselgruppe an die USA eintrat. Wie
man heute weiss, hat alles Musizieren nichts genützt. Die Mächtigen
dieser Welt haben nun mal eine eingeschränkte Sensibilität für
schöne Künste.
Das
freundschaftliche Verhältnis zu Deutschland führte dazu, dass
zahlreiche deutsche Kapellmeister dem Musikorchester vorstanden.
In der Zeit von 1848 bis 1870 war es Wilhelm Merseburgh
aus Weimar und als dieser 1871 den Taktstock aus der Hand legte,
versuchte es der König mit Frank Medina. Doch es war nicht das
Niveau, das der König von seinen Reisen nach Europa und in die
USA kannte.
Wilhelm
I persönlich wählte Heinrich Berger für die Aufgabe in Übersee
aus. Es sollte ein befristeter Einsatz für vier Jahre werden.
Hatte er doch noch das dicke Lob im Ohr, das König Kamehameha III
1846 in einem Brief an Friedrich Wilhelm IV den Deutschen zollte:
“ Keine Ausländer in meinem Reich sind ordentlicher und in
ihrem Benehmen korrekter als die Untertanen ihrer Majestät und
andere Deutsche”.
Für
Berger begann eine mehr als 50 jährige Freundschaft. Er kehrte
1876 nach Berlin zurück, aber nur um seine Entlassung aus der
Armee zu betreiben. Während seiner Stabsführung diente er drei Königen
und einer Königin.
Er
komponierte für den Text von König Kalakaua die Melodie der
Hawaiianischen Nationalhynme “ Hawaii Ponoi”. Wer genau hinhört,
wird feststellen, dass er noch irgendwie das seinerzeit beliebte
Lied “Heil Dir im Siegerkranz” im Ohr hatte.
Im
Jahre 1878 gelang vielleicht der grösste musikalische Wurf des
Hawaiianischen Königshauses. Während des Besuches einer
Zuckerrohrplantage wurde Königin Liliuokalani zum Lied “Aloha
Oe” inspiriert. Dieses Lied ist gerade wieder mit einem
zeitgemäßen Text in der Landessprache unterlegt worden und ohne
Zweifel die zweite Nationalhymne
dieses sympathischen Königreichs geworden.
Während
der Weltreise von König Kalakaua im Jahre 1881 war Berlin nur ein
kurzer Stop. Der Kaiser befand sich gerade zur Kur, aber Prinz
Wilhelm liess es sich nicht nehmen, dem König von Hawaii einen
preussischen Schellenbaum zu schenken.
Die
Mitarbeiter Kalakauas schwärmten in die Musikalienhandlungen aus.
Sie kauften alle nur erdenklichen Notenblätter im Dreivierteltakt
auf. Diese wurden schnellstens nach Honolulu geschickt, damit
Berger bereits vor der Rückkehr seiner Majestät proben konnte.
Der
Walzer war jahrzehntelang eine urhawaiianische Musikform. Als Tanz
blieb er jedoch unbekannt. Es gibt ausschließlich Gesangs– und
Instrumentalversionen der Musik, ab er
nur noch wenige werden auf CD`s gepresst.
Die
Royal Hawaiian Band spielte den Walzer auf Blechinstrumenten.
Jedoch bestand über die Hälfte des Klangkörpers aus Klarinetten
– Ein Vorgriff auf die Zeit des Glen Miller Sounds. Verstärkt
wurde das Orchester mit zwei Sängerinnen.
Dem
ehemaligen Unteroffizier des Kaiserreiches wurden alle Ehrungen
zuteil, die das Königreich Hawaii zu vergeben hatte. Als
Professor Capt. Henry Berger vollendete sich sein erfülltes
Musikerleben im Jahre 1929.

Bildnachweise (Pictures
copyright by): Bishop Museum /Hawaii, alte Postkarten aus Hawaii:
Jane Resture/Hawaii, Merrie Monarch Festival Videos und andere
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